Strache

Angst vor dem blauen Orkan – Österreich darf nicht Ungarn werden

Ich habe Angst. Angst vor der Zukunft. Angst vor der Zukunft in einem Land, in dem nicht Menschlichkeit, Solidarität, Freiheit und Menschenrechte unser Zusammenleben bestimmen, sondern Egoismus, Diskriminierung und Hass. Angst vor einer Zukunft, in der ich angefeindet werde, weil ich helfen will. Angst vor einer Zukunft, in der Menschen verfolgt werden, obwohl sie Schutz suchen und die Freiheiten und Grundrechte der Bürger Recht und Ordnung geopfert werden. Angst vor einem Europa, in dem statt grenzenloser Mobilität wieder Misstrauen herrscht. Angst vor Aufrüstung statt gegenseitiger Unterstützung und Zusammenarbeit.

Waren dieses Szenario und auch diese Befürchtungen bis vor kurzem noch Wahnvorstellungen, sind sie plötzlich real. Hinter unserer östlichen Grenze baut sich langsam aber kontinuierlich ein autoritäres Regime auf, dessen starker Mann, Viktor Orban, sich den ungarischen Staat Schritt für Schritt zu eigen macht. Wo nach der Wende Aufbruchsstimmung und Demokratisierung waren, ist nun Abschottung und Führerkult. Mitten in der EU beginnt ein Staat die europäischen Werte zu zerstören. Die EU sieht zu. Menschenrechte werden mit Füßen getreten, die Presse wird gleichgeschalten, der Rechtsstaat abgeschafft und Flüchtlingen mit Tränengasbomben und gewaltsam die Hilfe verweigert. Folgt man Huntingtons Theorie der Demokratisierungswellen, beginnt Viktor Orban wohl gerade den Prozess einer autokratischen Gegenwelle.

Noch können wir all das ignorieren. Noch können wir sagen, das sei nicht unser Land, das sind nicht unsere Leute die das unterstützen, wir sind besser, wir sind weltoffen, wir helfen. Doch wie lange können wir das noch?

Innerhalb unserer Grenzen braut sich ein Sturm zusammen. Ein Sturm aus Hass, Lügen und Hetze. Ein Sturm der uns schon bald überrollen könnte und keinen Stein auf dem anderen lassen könnte. Der Sturm ist blau, mit braunen Punkten. Manche würden vielleicht sagen braun, mit blauem Anstrich. Doch darum geht es nicht. Der Sturm ist real. Auch wenn es früher ein Lüftchen war und nun eine starke Böhe. Es wird schon bald ein Orkan sein, wenn wir nichts machen, wenn wir uns nicht wehren, wenn wir keine Vorkehrungen treffen. Ein Orkan wird kommen, der aus unserem weltoffenen, reichen und lebenswerten Land, ein verschlossenes, engstirniges und reaktionäres Land macht.

Der Orkan heißt FPÖ, er heißt Strache. Strache ist der Kopf, das Gehirn, der Anführer eines gesellschaftlichen Orkans. Der Sturm aber ist mehr. Er ist Hass, er ist Angst, er ist Egoismus. Strache steuert den Orkan, er ist das Auge des Sturms, sein Zentrum, sein Antrieb. Er bewegt, bewegt die Massen. Er steuert ihre Ängste, schürt ihren Hass und gewinnt ihr Vertrauen. Er sammelt Massen um sich, wird immer stärker, bündelt Kräfte und nimmt Fahrt auf. Irgendwann wird es zu spät sein, irgendwann wird der Sturm zu stark sein um ihn aufzuhalten. Und er wird kommen. Und mit ihm Hass und Angst.

Wer wissen will, wie unser Land nach dem Orkan Strache aussieht, kann das ohne Probleme. Er braucht den Blick nur über die ungarische Grenze richten. Dort hat der Sturm bereits gewütet, und er tut es immer noch. Dort heißt der Orkan Orban.

Bei uns ist es noch nicht so weit, aber es wird bald so weit sein, wenn nichts passiert. Strache hat Zulauf, die Menschen unterstützen ihn, wollen ihn, kämpfen für ihn. Die Person Strache ist der starke Mann. Der starke Mann, nach dem sich seine Unterstützer so lange gesehnt haben, der starke Mann der für Recht und Ordnung sorgt und der seine Anhänger beschützt, vor allen Gefahren. Wenn der blaue Balken in den Umfragen wächst, dann wächst mit ihm die Furcht vor einer Entwicklung wie in Ungarn. Vor einer Entwicklung, welche die Fundamente des Rechtsstaates erschüttert, die Grundpfeiler der Menschlichkeit zum zerbersten bringt und die Grundfreiheiten auf dem Altar von Recht und Ordnung opfert.

Diese Vorstellungen sind keine Wahnvorstellungen, sie sind keine Panikattacke. Diese Befürchtungen sind begründet und gut untermauert. Strache selber sorgt dafür. Er liefert genug Material um diese Angst wahr werden zu lassen. Strache lobt Orban, er schätzt ihn, er verteidigt ihn. Wenn Orban auf Flüchtlinge schießen lässt, hält Strache ihm die Stange. Man solle ihm dankbar sein. Dankbar, dass Orban das Chaos von Österreich abhält. Wenn Orban mit Stachdrahtzäunen den Flüchtlingen die Tore zum sicheren Europa verschließt, fordert Strache das selbe an der Grenze von Österreich. Ein Zaun, an der Grenze zwischen zwei EU-Staaten. Und mehr Militär. Militär an der Grenze zwischen zwei EU-Staaten. Damit dem Willkommenstourismus endlich ein Ende bereitet wird. Die Flucht vor Fassbomben ist für Strache Tourismus. Und die Menschen die davor fliehen, betreiben Wohlstandszuwanderung. Bei diesen Worten wäre vermutlich sogar Orban neidisch.

Die Flüchtlingskrise zeigt das Gesicht der FPÖ einmal mehr ganz deutlich. Ein Gesicht, bei dem die Angst von Christen vor dem Fremden mehr zählt, als die Angst von Muslimen vor dem Tod. Ein Gesicht, dass zwar Demokratie immer dann fordert, wenn es Wählerstimmen bringt, die Autokratie unter Orban aber immer unterstützt. Orban entmachtet das Verfassungsgericht und setzt damit die Kontrolle von Gesetzen anhand der Grundrechte weitgehend aus. Die FPÖ fordert die Änderung oder Aufhebung der Menschenrechtskonvention. Orban schränkt die Pressefreiheit ein, indem er die öffentlichen Medien unter Aufsicht der Regierung stellt, Strache fordert die Aufhebung der Rundfunkgebühren, eine Forderung mit wohl ähnlichen Konsequenzen.

Was die FPÖ und was Strache macht hat Kalkül. Das Ziel ist der eigene Profit, das Ziel ist Macht. Viktor Orban opferte für die Macht sogar seine eigene Ideologie. War er nach der Wende ein erbitterter Kämpfer für radikalen Liberalismus, wurde er innerhalb von 15 Jahren zu einem autoritären Herrscher, der Ungarn vom Rest Europas immer mehr abschottet und die Grundfreiheiten in seinem Land immer mehr einschränkt. Von Strache ist nichts anderes zu erwarten. Die Regierungsbeteiligungen der FPÖ zeigen nichts anderes. Ziel ist der eigene Profit. Die unzähligen Untersuchungsausschusse, welche ihren Grund in der Schwarz-Blauen Koalition haben, zeugen davon. Strache macht alles für Wählerstimmen, er macht alles für die Macht. Er nennt seine Partei „sozial“,  obwohl seine Parteikollegen  Wohnungsbeihilfen kürzen und Millionärssteuern ablehnen. Er präsentiert die FPÖ als Partei des kleinen Mannes, obwohl der blaue Hypo Skandal jedem Österreicher fast 3000 Euro kostet. Er wirbt mit Nächstenliebe, aber will Hilfesuchende mit einem Zaun aussperren.

Wer Strache wählt, wählt Fremdenhass. Wer Strache wählt, wählt Rückschritt. Wer Strache wählt, wählt Abschottung. Wer Strache wählt, opfert Freiheiten und Menschenrechte.

Noch ist es nicht zu spät, noch können wir das alles verhindern. Dazu braucht es aber Entschlossenheit, Aufklärung und viel guten Willen. Denn wer glaubt Strache löst alle Probleme, irrt. Wer glaubt die Lösung für Zukunftsängste liegt in der Hetze gegen Kriegsflüchtlinge, irrt. Wer Strache wählt, schadet Österreich.

Wenn Strache an der Macht ist, wird sich vieles ändern. Aber nichts wird besser. Tut dann bitte nicht so, als hättet ihr es nicht gewusst. Österreich muss nicht Ungarn werden. Wir können das verhindern.

Überall Ausländer!

Austrian Airlines Flug 88 befindet sich im Landeanflug auf den Esenboga International Airport in Ankara. Zur Feier des Tages haben die FPÖ Parteilackierer der Boing extra einen neuen Anstrich verpasst, leider hatte die Heimatfluglinie keine russische Tupolev im Repertoire, zur Not tuts auch das Produkt des Feindes. Rot-Weiß-Rot soll sie tragen zu diesem speziellen Anlass. Alles soll perfekt sein an diesem Tag. Es ist HC Straches erste Dienstreise in die Türkei seit dem Antritt seiner Funktion als „europäischer Beauftragter für Partnerschaft und Unterwürfigkeit gegenüber autoritären Regimen in Vorderasien“, eingesetzt von FPÖ-Bundesparteivorstand und damit das zentrale außenpolitische Organ der aufstrebenden österreichischen Partei. „Lieber ein Diktator im Land als ein Dönerstand!“, so Kickls Worte beim geschichtsträchtigen FPÖ Bundesparteitag. Als erster intelektueller Ideenaustausch bietet sich bei dieser Mission eine Audienz beim osmanischen Sultan Tayyip Erdogan I. natürlich an. Man wolle ein Grundsatzprogramm ausarbeiten, dessen Kernpunkte sind die Bekämpfung der Amerikanisierung und Regierungshörigkeit westlicher Medien durch gemäßigte Inhaltskontrolle sowie die Thematisierung der Verweichlichung westlicher Führer. Eine starke Hand muss her, die Seuche Parlamentarismus endlich besiegt werden. „Führerkult statt Massentumult“ – die ersten Plakate sind schon gedruckt.

Erdogan soll dabei das politische Know-How liefern, seine eiserne Führung und Homogenisierung des Landes sind für Strache wie ein Freistoßtor von Ronaldo für einen 7 jährigen Jungfußballer. Den muss ich kennen lernen, denkt er sich,  und seine Boing setzt auf der Landebahn auf. HC Strache verlässt das Flugzeug und grüßt die versammelten Massen, seine Rot-Weiß-Rote Fahne im Anschlag. Doch niemand ist gekommen zur geschichtsträchtigen Ankunft des GröZaZ St.Rache (Größter Zeltfestredner aller Zeiten). Keine Menschenmassen mit erhobenen rechten Armen, nicht einmal eine Gegendemonstration der linkslinken Gutmenschenjagdgesellschaft. Nichts.

Ein offensichtlicher Asylwerber mit komischem deutschen Akzent begleitet Heinrich, wie seine Burschenschafterkameraden ihn zu nennen pflegen, zum Zoll. Überall nehmen diese billigen türkischen Sozialschmarotzer dem deutschen Mann die Arbeitsplätze weg, Heinrich ist empört. Jetzt fordert ihn auch noch eine Frau mit Kopftuch auf Englisch auf seinen Reisepass auszuhändigen. Präventiv wirft er sich eine halbe Packung Valium ein. „Wo ich bin wird Deutsch gesprochen! Und seit wann sagt mir eine Frau was ich zu tun habe? Das einzige was eine Frau bestimmen sollte, ist mein Essen zu Mittag und die Wahl des Waschmittels! Und ein Kopftuch? Daham statt Islam!“

Bei der Gepäckausgabe ist Heinrichs Puls langsam wieder im 3-stelligen Bereich angekommen. Wie gerne würde er jetzt vor den versammelten Reisenden eine Rede über die Islamisierung des Abendlandes halten, aber Kickl hat ihm keine vorbereitet. „Wo ist mein Sklave wenn man ihn mal braucht?“. Erleichtert nimmt Strache seinen Reisekoffer aus deutschem Leder vom Band, wenigstens bringt ihm den Koffer kein Islamist. „Obstsalat statt Dschihad“ – Strache textet Kickl diesen grenzgenialen Plakatvorschlag.
Genervt verlässt er den Airport, seine bestellte Limousine wartet schon. Doch bereits von weitem erstarrt HC. Nehmen diese ungläubigen Höhlenmenschen jetzt denn jeden Arbeitsplatz weg? Auch der Fahrer ist Türke. Wohin er blickt, überall Ausländer.

Abendland in Christenhand! Weihnacht und Liebe statt Einbruch und Diebe! Glockenklang statt Muezzingesang! Heimatliebe statt Marokkanerdiebe! – Straches Hirn glüht – Gesinnungsbedingt etwa in den Ausmaßen eines Glühwürmchens –  Achtung, Nazionalsozialismus kann zu ernsthaften mentalen Folgeschäden fühlen.
Zähneknirschend steigt er zu dem extremistischen Taxifahrer in die Limousine.
Zum Recep bitte! – Efendim? – Jo heast tua weiter du Tschusch und bring mi zu enkam Führer! – Tamam.

Die Limousine setzt sich langsam in Bewegung, quer durch die Stadt zum dezenten neuen Palast des Sultans. Straches Blick friert an der Fensterscheibe fest. Der Anblick der Stadt lässt ihn erstarren. Damit hat er nicht gerechnet. Überall Ausländer.
Keine Kirchtürme sondern Moscheen, keine Schnitzelbuden sondern Kebapstände, an den Wänden keine Hakenkreuze sondern Halbmonde. Und überall Kopftücher – Strache bleibt seine 10-Uhr-Halbe fast im Hals stecken.  Auch die zahlreichen Bilder von Atatürk würde er am liebsten sofort gegen sein eigenes Konterfei, oder zumindest gegen das von Andreas Gabalier eintauschen. Immerhin kaum Frauen auf den Straßen – wenigstens mit der Rollenverteilung der Salafisten kann er sich anfreunden. Dieser Gedanke rettet ihn durch die Taxifahrt.

Eighty Lira! Straches Puls schnellt sofort wieder auf 300. Was sind denn Lira? Hier wird mit Schilling bezahlt! Bevor der Taxifahrer  den 100 Schilling Schein aus Straches Hand kognitiv realisiert hat, verlässt Strache schon mit strammem Schritt das KFZ.
Die Tore des Prunkpalastes öffnen sich. Auch die Wachen sind Tschuschen. Hier ist die Umvolkung bereits vollzogen worden. Mölzer hat noch davor gewarnt. Das vollendete Negerkonglomerat.
Für meine germanischen Leser: Klickst du hier

Gespannt wartet Strache auf die Erklärung des Sultans, wie es möglich sei, diese ganzen Sozialschmarotzer aus Tschetschenien im eigenen Land durchzufüttern. Ja nehmen die denn nicht den echten Inländern die Arbeitsplätze weg diese Asylmissbraucher?

Doch er wartet vergeblich: Da steht er vor ihm, Tayyip Erdogan. Strache erstarrt. Sogar die Führer sind jetzt Salafisten. Als Strache Erdogan mit der Abschiebung droht und irgendwas von „Nächstenliebe“ von sich gibt wird er von der Security abgeführt – sogar der Sicherheitsapparat ist von Islamisten unterwandert – diesen Ausländern kann man einfach nicht trauen.

Eine Schande für Österreich (nicht überspitzt formuliert)

Es ist eigentlich nicht meine Intention meine beiden Leser immer mit dem selben Thema zu belästigen und auch nicht Ziel dieses Blogs fortan nur mehr politische Antifa Texte zu produzieren. Sehen Sie dies nun also als Vorwarnung. Wenn Sie im folgenden Text lustig geschilderte Erlebnisse eines Tiroler Vollzeitstudenten in seinem Auslandssemester erwarten, muss ich Sie leider enttäuschen und Sie stattdessen auf folgende lustige Zusammenstellung von Katzenvideos verweisen:

 

Die Geschehnisse in der österreichischen Innenpolitik der vergangen Tage lassen mir allerdings keine andere Wahl:

Aslywerber als „Erd- und Höhlenmenschen“ zu bezeichnen ist eine Sache. Die halbherzige Entschuldigung „möglicherweise etwas überzeichnet zu haben“ (aber nur unter Umständigen, vielleicht ein wenig und wenn überhaupt) die andere. Dass diese Aussagen von einem FPÖ-Politiker stammen macht die Sache zwar weniger überraschend aber umso verwerflicher. Dass dieser FPÖ-Politiker nebenbei noch Landesparteichef in Niederösterreich ist tut eigentlich auch nichts mehr zur Sache, ist aber trotzdem erwähnenswert.

Für diejenigen, die jetzt den Gipfel des Skandalberges im zugegeben gegenüber rechtsextremistischen Äußerungen ziemlich toleranten Österreich noch nicht erreicht sehn, gibt es immer noch Generalsekretäre der Bundespartei namens Kickl und deren unmittelbare Rechtfertigungen, strotzend vor Einsicht und Entschuldigungen.

Die Aussagen seien „sicherlich überspitzt“ gewesen, aber „ein Rücktritt wird nicht erfolgen. (Kurier)

Überspitzt (!!!): Ein unpassendere Wortwahl für eine ohnehin nur halbherzige Entschuldigung wäre schwer auffindbar gewesen.

In Nicht-FPÖ-Funktionär-Deutsch übersetzt: Ja vielleicht etwas zu deutlich formuliert, aber im Kern hat er Recht der Hobart. Nichts anderes als das wird mit Formulierung überspitzt ausgedrückt.

Sprich: Ja, die FPÖ Bundespartei (vertreten durch Generalsekretär Kickl) steht hinter der Äußerung ihres Landesparteichefs. Aslyanten sind Höhlenmenschen. Menschen 2. Klasse. Abschaum. – Diese Auffassung ist Parteilinie der laut Umfragen im Moment stärksten Partei in Österreich.

Diese Haltung der Bundes-FPÖ ist nicht nur noch skandalöser als die ohnehin schon skandalöse Aussage des Landespolitikers selbst sondern zudem rassistisch und menschenverachtend.
Dass nach solchen Äußerungen nicht sämtliche beteiligten Personen (im Zweifel also die gesamte FPÖ Führungsrige) ohne zu Zögern zurücktritt, ist auch nur in Österreich möglich. Dass eine menschenverachtende Partei von einem Viertel aller wahlberechtigten Personen gewählt wird ebenso.

Möglich ist es allerdings nicht, so viel zu Essen wie man bei diesen Äußerungen des Herrn Kickl kotzen könnte.

Da stellt sich abschließend die Frage, wer denn nun die eigentlichen Erd- und Höhlenmenschen in unserer Gesellschaft sind. Der Herr Kickl und seine Partei sind auf jeden Fall ein heißer Tipp (etwas überspitzt).

Selbstbetrug und Doppelmoral

Die Nachrichten überschlagen sich, sämtliche Online Portale laufen heiß, den Journalisten und Redakteuren sowie den  redakteurähnlichen Subjekten (oft in „Österreich“ oder für meine alemannischen Leser „Bild“ Redaktionen beheimatet) laufen die Schweißperlen wie aus Kübeln von der Stirn. Angespannte Stimmung in den Kaffeehäusern Österreichs, irgendwo im südlichen Niederösterreich fällt einer Billa Verkäuferin zitternd die Vorteilscard aus der Hand und Michael Häupl verschüttet vor Schreck sein 10. Achterl Spritzwein. Selbst die ÖVP Obmanndebatte setzt für den Bruchteil einer Sekunde aus. Ein Land hält den Atem an. David Alaba hat sich verletzt.

Eine Nachricht verbreitet sich wie eine Druckwelle durch Österreich. Die Gazetten verbreiten die Hiobsbotschaft: Das Nationalteam muss gegen Russland ohne den Weltstar vom FC Bayern München das Runde ins Eckige treten.
Kollektive Enttäuschung und Beleidsbekundungen, für ganz Österreich bricht eine Welt und damit die Hoffnung auf eine erfolgreiche EM-Qualifikation zusammen.

David Alaba ist nicht nur zweimaliger Sportler des Jahres, ein Weltstar in einer Weltsportart und die einzige Hoffnung, dass vielleicht doch noch einmal ein anderer Pokal außer jener des Stiegl/Samsung/fügen.sie.hier.einen.beliebigen.unternehmensnamen.ein.der.pokaltitel.wechselt.ohnehin.öfter.als.lothar.matthäus.seine.lebensabschnittspartnerinnen.den.namen -Cups an eine österreichische Mannschaft geht.

Nein er ist viel mehr. Er ist eine Identifikationsfigur für die Jugend, Nationalheld, das Symbol dafür, dass man auch es auch als Österreicher in einer Weltsportart wie Fußball zu etwas bringen kann, in etwa so wie das ein Schisprungweltmeister aus Simbabwe wäre. David Alaba ist Everybodies Darling, ein Vorzeigesportler über den niemand etwas schlechtes sagen kann. Beliebtheitswerte jenseits von Heinz Fischer und Peter Rapp, man kann davon ausgehen er würde bei einem Antreten mit der DAP (David Alaba Partei) aus dem Stehgreif die absolute Mehrheit bei den Nationalratswahl erreichen. Und das ohne Überschreiten des Wahlkampfbudgets um lächerliche 4 Millionen Euro (guckst du hier).

Aber David Alaba ist auch eines: Der Inbegriff der Heuchelei und Doppelmoral breiter Bevölkerungsschichten.

Wenn wieder irgendwo im 9. Bezirk einer alten Dame ihre Handtasche geklaut wird, im Rapoldipark die ein oder andere Tüte den Besitzer wechselt oder ein Taxifahrer seines Bargeldes erleichtert wird kriechen sie aus ihren Löchern, ohne genaue Kenntnis des Hintergrunds der Tat/des Täters. Es reicht auch schon das simple Unterbringen von Flüchtingen in einem leerstehenden Gasthaus. Als Anlass dient oft auch einfach eine juckende Nase oder eine verbrannte Scheibe Toastbrot. Schon sind sie da und predigen den Untergang des Abendlandes. Den hintertückischen Raub von österreichischen Arbeitsplätzen. Das Verschwinden unserer Heimat. Den Untergang unserer Kultur. Die Apokalypse.

Die selben Personen, die 5 Minuten vorher noch David Alabas verwandelten Elfmeter gegen Schweden frenetisch bejubelt haben, sich noch nie so wohl in ihrer Haut als Österreicher gefühlt haben und dankend ihr Puma Trikot mit dem Namen des Jahrhunderttalentes, dessen Migrationshintergrund nicht zu leugnen ist, küssen, sitzen kurz danach vor ihrer Tastatur und schreiben sich auf den Facebookseiten diverser rechter Österreichischer Politiker mit zahntechnischem Hintergrund und Ibiza-Affinität die Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Leben von der Seele, indem mit standardisierten Hetzkommentaren nicht persönlich bekannten Menschen das Verlassen unseres Landes nahe gelegt wird.

Sie versammeln sich in Gemeinden und mobilisieren gegen die Unterbringung von Menschen, die aus Angst vor dem Tod aus einem Bürgerkriegsgebiet in die Festung Europa geflohen sind. Sie besteigen mitternächtlich in Tirol irgendwelche Almen um anschließend mit Feuerwerkskörpern und Softguns ohnehin schon traumatisierten Asylwerbern den nächsten Schock einzujagen. Sie predigen die Ausbeutung des Sozialstaats durch Sozialschmarotzer, während sie selber mit ihrer erschlichenen Krankschreibung daheim vor dem Fernseher den 3. Championsleague Titel in Folge bei FIFA erringen. Sie mutieren zu religiös-fanatischen Spontanpredigern, wenn in Telfs ein 15 Meter hohes Minarett errichtet wird, welches im Vergleich zu den meisten Kirchtürmen wegen Bedeutungslosigkeit einen Minderwertigkeitskomplex kriegen würde und dessen Geräuschkulisse sich nicht auf Glockenklingen sondern nur das Knarren der Eingangstür beschränkt.
Menschen, die unvermittelt gegen den aufstrebenden Salafismus in Österreich wettern ohne gleichzeitig in der Lage zu sein selbigen zumindest buchstabieren zu können geschweige denn auf 10.000 km genau die Lage von Kobane auf einem Globus festlegen zu können.Sei rügen die Schwarzarbeit von nicht legal arbeitsfähigen Asylwerbern, während sie gleichzeitig den Tisch ihres Bekannten ohne Rechnung zimmern. Asylwerber sind für sie der Grund sämtlicher gesellschaftlicher Probleme.

Sie hetzen gegen Menschen, deren einziger Fehler in ihrem Leben darin bestanden hat, in Syrien geboren zu sein. Menschen, deren einziger Besitz in der Kleidung besteht, die sie tragen. Menschen die nach Österreich nur gekommen sind um das nackte Überleben zu sichern. Sie beklagen die Überschwemmung mit Asylwerbern, während Tirol mit weniger als 2.000 Flüchtlingen auf über 700.000 Einwohnern nicht mal die lächerlich niedrige Soll-Quote erfüllt.

Sie beklagen Massenverarmung auf Grund von Einwanderung während sie in der Schlange vor dem Apple Store auf das vierte neue I-Phone innerhalb der letzten 3 Jahre warten. Sie fühlen sich durch fremde Sprachen in der Öffentlichkeit gestört, während sie selber nicht zögern ihre Kaugummis auf der Straße zu entsorgen und andere Menschen damit mit einer neuen Schuhbesohlung zwangsbeglücken.  Sie kritisieren die Rolle der Frau im Islam, während sie sich in ihren Burschenschaften im geschlossenen männlichen Kreis, zu dessen Zugang Frau-Sein ein Ausschlusskriterium ist, mit Säbeln nette Verzierungen in die Backen schnitzen. Sie kritisieren die Verschandelung der Landschaft durch Moscheen und rauben mit ihren 10 Liter SUVs der Natur auch die letzte Hoffnung auf ein nachhaltiges Dasein. Sie fordern die sofortige Abschiebung von verurteileten Flüchtlingen und sitzen zugleich vorbestraft im Nationalrat und füllen die Parteikassen durch mysteriöse Geldflüsse zum Schaden der Allgemeinheit auf.

Der ultimative Selbstbetrug – Doppelmoral und Scheinheiligkeit in Reinkultur. 

Zeigen wir nicht immer bei sämtlichen Missständen mit dem Finger auf Menschen mit anderer Religion und Kultur nur weil sie sich gerade als passender Schuldiger anbieten und sich nicht wehren können. Kompensieren wir die Unzufriedenheit mir unserem eigenen Leben nicht dadurch, dass wir uns als „Österreicher“ als besseren Menschen fühlen. Verschleiern wir unsere Engstirnigkeit, Intoleranz und Furcht vor Veränderungen nicht länger mit Begriffen wie „Tradition“ oder „Heimat“. Hören wir auf uns selber etwas vorzuspielen. Seien wir ehrlich gegenüber uns selbst.

David Alaba wird irgendwann wieder ins Nationalteam zurückkehren, spätestens nächstes Jahr. Die Intoleranz und Doppelmoral bleibt.

P.S. Herzlichen Dank an dieser Stelle an meinen hochverehrten und geschätzten Blog-Co-Autor und Literat von Weltformat Daniel Trommer, dessen Text über die Schwierigkeiten Bayern-Fan zu sein auf Grund einer nicht weiter relevanten Vereinbarung den Grund für diese Abhandlung darstellt. Seine höchst lesenswerten Texte finden Sie hier.