Katar

Eine Ode an Sepp Blatter

Oh Sepp, wie froh ich doch bin. Du lebst noch, du regierst noch, und das eindrucksvoller denn je.

Was war das für eine Show! Die FIFA bröckelt unter dir zusammen wie ein trockener Gugelhupf und du machst einfach weiter. Die Justiz ermittelt gegen deine Gefolgschaft und du lässt dich wiederwählen, ach was heißt da wählen, du lässt dich mit demokratischem Anstrich krönen. Du tust so als hättest du von nichts gewusst, obwohl dein gesamter Machtzirkel so tief im Sumpf der Korruption steckt, wie die Häupter der halben FIFA Familie in deinem Hintern. Das ist beeindruckend.

Zum Wohl des Fußballs ziehst du dein Haupt aus der Schlinge um die Botschaft des Sports in die Welt zu tragen. Die FIFA verbindet. Sie verbindet mysteriöse Geldflüsse mit fragwürdigen WM-Vergaben. Sie verbindet Volkssport mit Massenprotesten. Sie verbindet eine Non-Profit-Organisation mit einem Milliardenvermögen.  Du hast das erkannt. Building Bridges nicht nur beim Song Contest. Dank dir überbrückt die FIFA Gegensätze, vereint Welten. Die FIFA verbindet.

Sie bringt den Fußball in die Wüste und verwüstet den Fußball. Bringt Mafiastrukturen in den Sport und Sportereignisse in Diktaturen. Sie verbindet Schamlosigkeit mit Selbstüberschätzung. Macht mit Geld. Einfluss mit Selbstgerechtigkeit.

Du bist ein Vorbild. Ein Vorbild für all jene, die aufgeben wollen bei dem leisesten Gegenwind. Die nach der Meinung anderer leben und nach Anerkennung streben anstatt ihr Ding durchzuziehen und drauf scheißen was die reden.

An dir können sich so viele ein Beispiel nehmen: Kim Jong Un erschießt seinen Onkel für Machterhalt, dabei hätt er sich nur einfach wählen lassen müssen. Und vielleicht würde Ulli Hoeneß heut noch in Freiheit leben, hätte er gewusst, dass man seine Ersparnisse anstatt schwarz in der Schweiz, lieber steuerschonend in FIFA-Funktionäre investieren kann.

Du bist sogar die Lösung für die Pensionsreform. Anstatt nicht mehr benötige Beamte in Frühpension zu schicken, oder schwächelnde Demenzerkrankte in Vollzeitpflege, können diese einfach noch in hohen FIFA Positionen die Geschicke des Weltfußballs leiten. Entlastung der Pensionskassen auf Kosten brasilianischer, russischer oder katarischer Steuerzahler. Du machst es möglich.

FIFA Präsident – die einzige Position außerhalb des Vatikans, die auch von klapprigen Männern mit kognitiver Dysfunktion an der Pforte zum  Jenseits noch ohne Probleme bekleidet werden kann.

Ja, Fußball ist eine Religion. Der FIFA Kongress wie das Konklave. Demokratisch kaum legitimierte männliche Mittsiebziger wählen einen faltigen Halbgott, dem anschließend unreflektiert zugejubelt wird, unabhängig davon, was für einen sinnbefreiten reaktionären Mist dieser anschließend von sich gibt.

Der Vatikan und die FIFA – da bekommt in Sachen Korruptionsniveau sogar Jörg Haider feuchte Augen.

Oh Sepp. Ich hoffe du bleibst noch lange.

Du machst Unmögliches Möglich. Du bringst Millionen Männer dazu zumindest für einen Moment den Fußball richtig scheiße zu finden. Du schaffst es, dass für einen Tag Yanis Varoufakis nicht die Titelseite der Bild ziert. Und du schaffst es, dass HC Strache für einen Tag nicht die meistgehasste Person Österreichs ist.

Auch wenn deine Ausstrahlung nur knapp über jener einer verbrannten Scheibe Toastbrot liegt, deine Gabe zur Selbstreflexion in etwa der Einsichtsfähigkeit eines Wladimir Putin entspricht und deine rhetorischen Fähigkeiten jenen eines FPÖ Wahlplakates gleichen, schaffst  du doch eines:

Du vereinst Völker. Im Hass gegen dich.

Fußballfans weltweit wollen nur eines sehen: deinen Rücktritt. Und das war doch deine Botschaft: Fußball verbindet. Gratulation, du hast es geschafft!

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WM im Winter? Warum nicht!

Ein großer medialer Aufschrei: Die Fußballweltmeisterschaft 2022 wird im November und Dezember stattfinden, das Finale am Vortag von Heiligabend. Europa äußert seinen Unmut, Rücktrittsforderungen und Boykottaufrufe.

Eine WM im Winter? Nicht mit uns, das geht nicht.

Ich sage: Das geht! Warum denn nicht? Wir können im November auch unserem Club zujubeln, also warum nicht auch unserer Nationalelf? Auch mit Glühwein in der Hand bin ich fähig beim Public Viewing auf eine Leinwand zu glotzen und auch mit Schnee auf dem Balkon funktioniert mein Fernseher zu Hause. WM im Sommer – Das ist Tradition? Fragen Sie mal bei den Brasilianern oder Australiern nach, da ist im Sommer Winter.

WM im Winter? Natürlich geht das!

Was allerdings nicht geht sind korrupte FIFA Funktionäre, die unseren Sport für Geld verkaufen.
Was nicht geht sind autoritäre Regime, die den Fußball dazu missbrauchen sich gezielt zu inszenieren um weiterhin ihr Volk unterdrücken zu können.
Was aber vor allem nicht geht ist eine Scheindiskussion über Bier oder Glühwein zu führen, die von den wirklichen Problemen bei einer WM 2022 in Katar ablenkt. Eine Diskussion über die Vereinbarkeit von Fußball und Weihnachtsstress, die vergessen lässt, dass unser Fußball und sein Verband bis zum Hals in Dreck stecken, der irgendwann so hoch steigen wird, dass der Sport darin erstickt und zu Grunde geht, wenn nicht so schnell wie möglich eine Revolution in der FIFA geschieht, die dieses korrupte Gebilde bis auf seine Grundfeste erschüttert. Ob nun mit Glühwein oder Bier.

Kommentar eines Fußballjunkies