Jetzt rauchts aber – Sigara icmek oldürür!

Wie würdest die Türkei mit einem Wort beschreiben?
Schwierige Frage – Gott sei Dank hat sie niemand gestellt.

Jene Leser die schon hoffnungsvoll damit rechnen, mit dieser Erkenntnis sei dieser Blogbeitrag auch schon wieder zu Ende und damit die 10 Euro für die von mir gekauften Klicks auf meinen Blog heute billig verdient, muss ich leider enttäuschen. Auch jene Leser die jetzt glauben, sie könnten sich 10 Euro damit verdienen sich die verbalen Ergüsse eines Studenten durchzulesen, reingelegt! Dafür gibts leider nur 5 Euro, aber nur für Neukunden – ja, Pech gehabt.

Aber wenn Sie schon so nett fragen: Ja, wie würde ich die Türkei mit einem Wort beschreiben?

Erdogan? Nein, das macht zum einen depressiv und zum anderen würde eine negative Beurteilung seiner Politik vom türkischen WordPressfilter vermutlich zensiert werden.

Schlechte Brotauswahl? Nein, wie der aufmerksame Leser schon bemerkt hat, sind das zum einen 2 Wörter und zum anderen wurde dieses Thema schon überstrapaziert (guckst du hier).

Verkehrschaos? Würde passen, aber im Vergleich zu meinen Erlebnissen in indischen Großstädten, kann man sogar den chaotischen Stadtverkehr von Ankara als geordnet und das Verkehrssystem als hervorragend ausgebaut und unausgelastet bezeichnen.

Nein, jetzt hab ichs: Rauch!

Nein, kein Pfirsicheistee Vorarlberger Produktion, auch kein Tiroler Weizenmehlmonopolist, nein, ich habe auch nicht mit meinen zweifelhaften Kochkünste einen Wohnungsbrand verursacht, obwohl das vermutlich die einzige Möglichkeit wäre, den Bakterien- und Schimmelkolonien im Badezimmer Herr/Frau zu werden.

Nein, Rauch: Rauchen, Nikotin, Kippen, Zigaretten, Glimmstängel, Sargnagel, Tabak, Sigara oder in der Türkei auch liebevoll als „Grundnahrungsmittel“ bezeichnet.

Die Türken lieben ihren Luftfilter zwischendurch. Die Raucherquote in der Türkei ist mir statistisch nicht bekannt, ein EU-Beitritt der Türkei dürfte Österreich aber als EU-Rauchweltmeister mit großem Abstand ablösen. So bleibt uns zumindest dieser zweifelhafte Titel, wir gewinnen ja sonst nichts.

Ein Barbesuch in Ankara kommt einem Tag im Dampfbad gleich, die Fernsicht gleicht jener in einem Sandsturm, der Erfinder der Nebelscheinwerfer-App für Apple und Android würde in der Türkei vermutlich reich werden. Ob die Rauchleidenschaft im neo-osmanischen Reich an der mangelnden Hausisolierung liegt, und man damit versucht sich zumindest durch innere Warmluftzirkulation zu isolieren ist mir nicht bekannt. Vielleicht liegt es aber auch nur an den niedrigen Preisen von umgerechnet 2 Euro pro Packung.
Dank der (offiziell natürlich nicht islamisch motivierten) Alkoholsteuer von knappen 100% ist man im Supermarkt mit der Frage konfrontiert für 2 Euro entweder eine Flasche Efes (bierartiges Gerstengetränk) oder eine Schachtel Marlboro zu erstehen. Ist man auf nachhaltigen Genuss aus, dürfte die Wahl wohl klar auf die Packung Zigaretten fallen.
Die hohe Steuer auf Bier diene übrigens der Volksgesundheit, so der türkische Kolumbus, Recep Tayyip Erdogan.

Egal weshalb, die nichtrauchende Bevölkerungsschicht in der Türkei dürfte sich nur knapp über den Umfragewerten des Team Stronach im einstelligen Prozentbereich bewegen, trotz der Warnhinweise auf den Packungen, welche sogar soweit gehen, erektile Dysfunktion bildlich darzustellen (die Umsetzung dieser Idee ist übrigens eher fragwürdig gelungen).

So darf ich mich nicht nur nach 5 Monaten als abhängiger Passivraucher bezeichnen und bin damit auf Grund meiner neuen Sucht nunmehr gezwungen einmal täglich die Autobahnmautstelle in Schönberg aufzusuchen, um meine tägliche Dosis Schadstoffe zu inhalieren, nein zusätzlich enthält meine Kleidung mittlerweile dermaßen viel Nikotin, dass das Einführen in die EU zu einer zolltechnischen Herausforderung werden könnte.
Auch Waschen schafft da keine Abhilfe. Die hohe Grundluftfeuchtigkeit in der Wohnung, in der Nacht verstärkt durch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, führt zu einer dauerhaft in den Textilien zurückbleibenden latenten Restfeuchte. Der dadurch langsam durch Zersetzungsprozesse entstehende Geruch der frisch gewaschenen Wäsche steht jenem des Nikotins um nichts nach. Über die gesundheitsschädliche Vergleichbarkeit der beiden Geruchsproben gibt es noch keine zuverlässigen Langzeitstudien. Auch ein Trocknen der Kleidung am Balkon ist keine Option, da die ohnehin schon einer Guanorückgewinnungsanlage (Guano = aus Vogelkacke gewonnener Bio-Dünger, Anmerkung der Redaktion, guckt du hier) ähnelnde Terrasse meine T-Shirts wohl innerhalb kürzester Zeit zu einem Taubenmistplatz verkommen lassen würde. Ich könnte dem Geruch natürlich auch Herr werden, indem ich mir zu jeder Mahlzeit eine Cohiba reinziehe und den Zigarettenrauch mit der Macht der Zigarre bekämpfe. Das könnte aber zum einen teuer werden, zum anderen sind die gesundheitlichen Folgen auch hier eher fragwürdig. Außerdem, was ist eine Cohiba ohne den passenden Single Malt, und da wären wir wieder bei der Alkoholsteuer, Sie erinnern sich.

Bleibt eigentlich nur eine Option: Ich muss Türke werden und mit dem Zigarettenrauchen anfangen  – ähhhhhh – nein.

Letzer Ausweg: Vielleicht schickt mir jemand eine Schachtel voll mit Tiroler Bergluft. Wobei alleine der Gedanke daran öffnet schon meine Atemwege.

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