Die Renaissance der Zivilgesellschaft – Apokalypse durch Lufthunderter

Abkassieren statt ordentlich regieren! ; warscheinlich eingeraucht und von der rot grünen fraktiion ; ihr Schädlinge wählt diesen Irrsinn…..; Ich kann nur sagen Leute wenn der 100ter bleibt muss die Vignette weg!!; Dank den Grüninnen und ihren versifften Wählerinnen!; Für sinnvolle Ideen hatten die Grünen noch nie was übrig aber die Leute wo solche Idioten wählen gehören bestraft .; Soll mir egal sein, dann spar i ma die Vignette, es Vollpfostn.
(Übersetzungen der Postings für meine alemannischen Leser übrigens gerne auf Anfrage)
Das sind nur einige der geistreichen Postings, die ich in einer Schnellrecherche im Forum der Onlineausgabe der Qualitätszeitung Krone und in der Facebook Selbsthilfegruppe „Gegen Tempo 100 auf Tirols Autobahnen“ gefunden habe.
Schädlinge, Vollpfosten und Idioten also sind sie die bösen bösen bösen Grünen. (Im FPÖ Kampfposter Slang kreativ oft auch als GrünInnen bezeichnet).

Auf einmal existiert sie: Die österreichische Zivilgesellschaft. Aufrufe zum Widerstand, zum Rechtsbruch (natürlich benötigt man auch bei Tempo Hundert weiterhin die Vignette, diese Logik hat sich mir bis heute nicht erschlossen) und zum zivilen Ungehorsam – endlich sind sie da – Mahatma Ghandhi wäre stolz!

Das österreichische Volk wehrt sich! Während sich der Widerstand gegen die doch etwas zu hinterfragende österreichische Politik bis jetzt auf ein dezentes an den Kopf greifen und Ärgern im Keller, damit man von ja niemandem gehört wird, beschränkt hat, ist die Empörung plötzlich groß.

Und nicht etwa, weil der Hypo Alpe Adria Skandal uns schon wieder einige Milliarden mehr kostet, die Koalitionsregierung vermutlich um eigene Fehler zu vertuschen dem Steuerzahler die größt mögliche Last aufbürdet und Generationen damit belastet. Nein, auch nicht weil Pensionsprivilegien Milliarden kosten, unsere Generation kaum eine realistische Aussicht auf eine Pension hat, die zum Leben reicht, und aus wahltaktischen Gründen eine längst überfällige Pensionsreform hinausgezögert wird. Nein, auch nicht weil unser Bildungssystem als das teuerste in Europa unterdurchschnittliche Ergebnisse liefert und sich seit der Nachkriegszeit nicht mehr an die Gegenwart angepasst hat und Bildung durch die Zweiklassengesellschaft Gymnasium nach wie vor vererblich ist, damit von gewissen „Volks“Parteien die eigene schwindende Klientel mit Privilegien versorgt wird.

Nein der Grund der kollektiven Empörung ist der Versuch unser Klima und unsere Umwelt zu retten. Der Beitrag, der von jedem dafür verlangt wird: maximal 5 Minuten mehr Fahrzeit bei einer Strecke von 30 km. Wohlgemerkt mit der Annahme berechnet, dass man auf der Autobahn wohnt, der Arbeitsplatz auch an der Autobahn ist und man zufälligerweise der einzige auf der Straße ist.
Der aufmerksame Leser hat schon erkannt: Diese Bedingungen scheinen nicht wirklich realitätsnah zu sein. Unter Berücksichtigung der Umstände Berufsverkehr und LKWs und dem jetzt schon oft in weiten Teilen Tirols geltenden Lufthunderter dürfte sich die Zeitersparnis und damit jetzt längere Fahrtzeit auf Sekunden bis maximal 1 Minute beschränken (genauere Studien diesbezüglich konnten auf Grund der beschränkten finanziellen Mitteln des Autors und seines momentanen Aufenthaltsortes (politisches Asyl in der Türkei wurde beantragt) nicht durchgeführt werden).
Der Zeitverlust dürfte sich pro Tag also auf 2-3 Minuten einpendeln. Das dürfte ungefähr 10% jener Zeit entsprechen, die der durchschnittliche Autofahrer pro Tag mit der Facebook-App am stillen Örtchen verbringt und damit seinen Uriniervorgang prolongiert.

Auf jeden Fall dürfte diese 3 Minuten deutlich länger sein, als jene Zeit, die der gemeine FPÖ-Kampfposter damit verbracht hat, über diese Maßnahme (Lufthunderter) zu reflektieren. Man hätte während der Zeit, in der man sich darüber aufregt, mit seinem SUV nur mehr mit 100 km/h anstatt mit 130 km/h die Umwelt zu verpesten und die Möglichkeit durch unnötiges Langsamfahren auf der Überholspur andere zu blockieren dahinschwinden sieht, auch mit einer kurzen Recherche zu den Hintergründen dieser Maßnahme verbringen können.

Guckst du hier:

Sektorales Fahrverbot_final

Dass der Lufthunderter zwingend notwendig ist um rechtlich korrekt das sektorale Fahrverbot einzuführen und damit einen Großteil der vom gemeinen Autofahrer so heißgeliebten LKWs von der Straße zu verbannen, wird offenbar gerne ignoriert. Ob die Kenntnis dieses elementaren Umstands an obigen Postings etwas ändern würde, darf außerdem bezweifelt werden. Wen interessiert schon Feinstaub oder Klimawandel, Hauptsache der Tacho am frisch geleasten BMW X6 kann ausgefahren werden.
Es könnte natürlich auch die freiheitliche Variante ohne Rücksicht auf Urteile des europäischen Gerichtshofs gewählt werden. Europarecht ist schließlich etwas für linkslinke kiffende Gutmenschen und Autofahrerhasser. Und wie schon eine alte freizeitliche Weisheit sagt: Nur die Wählerstimmen zählen! Guckst du hier: FPÖ will Ausländermaut auch in Österreich

Als Hintergrund eventuell nützlich: Eine Ausländermaut widerspricht klar europarechtlichen Grundsätzen: Link

Auch interessant wenn auch etwas Off-Topic: Um Ausländer-Maut zu sparen: FPÖ will Wiedervereinigung mit Deutschland „offen diskutieren“ (trotz der frappierenden Ähnlichkeit zu gewöhnlichen FPÖ Presseaussendungen leider Satire).

Um wieder zum Thema zu kommen für all jene, welche die obige Grafik noch nicht restlos überzeugt hat: 2 Minuten mehr Autofahren pro Tag, 200.000 LKW weniger – Unser läppischer Beitrag gegen den Klimawandel und für unsere Lebensqualität in Tirol.

Wenn ihr euch schon unbedingt über etwas aufregen wollt – Die österreichische Politik bietet Gott sei Dank genug Gelegenheit dafür, man muss diese nur wahrnehmen. Einige Möglichkeiten wurden oben aufgezählt.
Aber es ist halt einfach zu verlockend sich über die einzige Partei aufzuregen, die, mit Ausnahme der Neos (die Satirebewegung Team Stronach einmal ausgenommen), an keiner der bundesweiten Geldversenkungen beteiligt war und anschließend mit gutem Gewissen seine Wählerstimme den Hypo-Debakel-Initiatoren zu geben.

Wen interessieren schon wirklich wichtige Probleme, solange man mit seinem SUV zumindest für wenige Sekunden bis zum nächsten Stau mit 130 km/h über die Straßen heizen kann.

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Ein Kommentar

  1. Sehr guater Kommentar, fast soviel Rechtschreib- und Satzstellungsfehler wia da Standard! 😉
    Na, wirklich guat. Des mit da eingesparten Vignette is meinen Recherchen zufolge so zu verstehen, dass diejenigen welchen statt der Autobahn in Zukunft die Bundesstraße benutzen, weil dort ja – sofern man nit grod durch a Ortsgebiet foahrt, oder an a Kreizung kimmp oder an a Ampel stianbleiben muass oder a Traktor vor oam foahrt oder aus anderen Gründen a niedrigeres Limit angsetzt is – a an 100er fohrn kunn. Mir solls recht sein, isch wianiger Verkehr af da Autobahn! 😉

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