Zweite Kasse bitte

Anpfiff. Österreich gegen Brasilien. WM Finale.

OK letzterer Gedanke enstpringt meinem reinen Wunschdenken. Dafür werden wir wohl bis 2026 warten müssen, bis der dann dreimalige Weltfußballer David Alaba unsere Fußballnationalmannschaft aufs Feld des Finalspiels gegen Holland führt, aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels mit leicht veränderten Grenzen. Kapitän Mario Götze führt das Team der Niederlande auf den Platz. Ort des Geschehens: Das Nationalstadion in Pyöngyang. Fußball verbindet, man müsse die Marke FIFA international bekannt machen und neue Märkte erschießen, dafür ist Nordkorea wie prädestiniert, so der mittlerweile 90-jährige FIFA Präsident Joseph Blatter. Gerade wurde er für eine neue 35-jährige Amtszeit wiedergewählt und hat bereits Pläne verkündet, im Falle der Unmöglichkeit der abermaligen Wiederkandidatur aus Todesgründen, die FIFA Satzung dahingehend abzuändern, seinem Yorkshire Terrier Peppi die Übernahme der Amtsgeschäfte bis zu Blatters Wiedergeburt zu übertragen.
Der Gastgeber der WM, Kim Jong Dos (BadummTss) wird im Tieflader in die VIP Lounge gerollt. Er begrüßt Joseph Blatter mit einem freundschaftlichen High Five. Der arthritisgeplagte Schweizer stöhnt vor Schmerzen auf. Im Gedenken an seinen verstorbenen Vater widmet der nordkoreanische Jungdiktator den Weltmeistertitel der Nordkoreanischen Nationalmannschaft vorsorglich den bei sämtlichen nordkoreanischen Raketentests zu Tode gekommenen Thunfischen im japanischen Meer. Im Falle einer Niederlage seiner heute in Orange auflaufenden fälschlicherweiser als Niederlande bezeichneten und im Nordkoreanischen Staatsfernsehen bereits als Nationalhelden gefeierten nordkoreanischen Nationalmannschaft gegen Österreich, stößt er gegenüber dem anwesenden Bundespräsident, Bundeskanzler, Wiener Bürgermeister und nationalem Genderbeauftragten in Personalunion Heinz-Christian Strache bereits präventiv eine Drohung aus. Man werde diese westliche Propaganda nicht länger tolerieren. Österreich solle anerkennen dem nordkoreanischen Volk deutlich unterlegen zu sein. Andernfalls hat man mit ernsthaften Wirtschaftssanktionen, im äußersten Fall mit einer noch wortgewaltigeren Drohung zu rechnen.

Der gerade auf seinem Wallach mit nacktem Oberkörper ins Stadion reitende Präsident der Neosowjetischen Union mit Hauptstadt in Warschau Wladimir Putin nickt zustimmend und sichert Kim Jong Dos seine vollste Unterstützung zu. Irgendwo im 10. Wiener Gemeindebezirk bereiten Mitarbeiter der russischen Botschaft schon einmal die Stimmzettel für ein Unabhängigkeitsreferendum der „autonomen Republik Südpolen“, ehemals Wien Favoriten, vor. Wladimir Putin erkennt das Referendum an, es genüge den modernsten europäischen Standards. Das Ergebnis sei unverzüglich umzusetzen. Warschau böte sich als Kooperationspartner des neuen autonomen Gebiets an.
Der US-Präsident George TripleU Bush Junior startet vorsorglich eine Nato Übung. Österreich beteiligt sich mit dem einzigen einsatzbereiten Eurofighter. EU Kommissionspräsidentin Angela Merkel unterstreicht unterdessen ganz bewusst, dass sich die EU in dieser Frage nicht auseinanderdividieren lassen dürfe. Man dürfe die Interessen der europäischen Wirtschaft nicht den Interessen Österreichs und der drohenden völkerrechtswidrigen Annexion unterordnen. Die Neosowjetische Union und Nordkorea seien immerhin wichtige strategische Partner zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Im Falle eines Widerstandes der EU drohe ein Rückgang der europäischen Milchproduktion in signifikantem Ausmaß.
HC Strache geißelt unterdessen die Homosexuellenlobby im österreichischen Nationalteam und zeigt sich in einer Spontanrede begeistert vom strammen nordkoreanischen Volk, welches Irrwege wie Homosexualität, Einwanderung oder Frauenwahlrecht im Keim erstickt.

Ein latenter Herzinfarkt reißt mich unvermittelt aus meinen Gedanken. Gott sei Dank. HC Strache ist noch nicht unser Bundeskanzler. Faymann verkündet immer noch das Ausmaß der Steuerreform – die ÖVP blockiert immer noch. Ist ja noch einmal gut gegangen.

Ich warte nur seit 10 Minuten in der Schlange am Supermarkt des ÖDTÜ Campus – ebenfalls ein furchteinflössender Gedanke – und war kurz in einen Tagtraum verfallen. In der Türkei wünscht man sich zum ersten Mal in seinem Leben österreichische Arbeitsmoral zurück.  In der Zeit in der eine durchschnittliche Lidl Kassiererin bereits 15 volle Einkaufswägen abgefertigt hat und Zeit für eine Rauchpause hatte, tippt der etwas apathisch wirkende Kassier im Campusmarkt immer noch den Zahlencode einer Packung Kaugummi ab. Man hat ja sonst nichts mehr vor. Kaum ist diese Herausforderung bewältigt, kommt die nächste. Eine Packung Fladenbrot – ohne Strichcode. Umso beeindruckender, dass die zweite Kassiererin offenbar die Zahlencodes sämtlicher Produkte des Supermarktes auswendig kann und quer über den Tresen laut verkündet. Weitere 5 Minuten vergehen bis diese Botschaft auch den Weg ins Kassasystem des Kollegen gefunden hat.

Währenddessen beginnt beim freundschaftlichen Länderspiel Österreich gegen Brasilien gerade die erste Halbzeit. Meine Chips und ich stehen in der Supermarktschlange und schauen nervös auf die Uhr. Man hat nur einmal im Leben die Gelegenheit die Selecao zu besiegen. Aber gut, so muss Neymar halt ohne mich ohne Fremdeinwirkung theatralisch zu Boden gehen.
Geduld ist die wichtigste Tugend in türkischen Supermärkten. Hier kann es schon einmal passieren, dass der sich unmittelbar vor einem befindliche Kunde bei Hälfte des Kassiervorganges sich unvermittelt dazu entscheidet seinen Einkaufsvorgang fortzusetzen. 10 Minuten später kommt er wieder. Ich warte immer noch in der Schlange. Der Kassier scheint diese Situation gewohnt zu sein.

Österreich hat übrigens gerade 2:1 verloren. Aber das WM-Finale 2026 gewinnen wir. Da bin ich mir sicher.

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