We love Ekmek

Panisch irrt er durch die Straßen, hektisch geht er durch die Regale verschiedenster Supermärkte in seinem Viertel. Er hat nur ein Ziel, aber dieses scheint umso utopischer zu sein. Seine Mission: Das Auffinden von schmackhaftem Brot in der Türkei.

„Ekmek is very important in Turkey, we love ekmek, we eat it all the time“

Ich komme nicht umher meine Türkisch Professorin ein weiteres mal zu zitieren, zu symptomatisch ist ihr Habitus für die türkische Lebensweise. Türken ohne Brot – das wäre etwa so wie die österreichische Nationalelf ohne Alaba, ein Ibizaurlaub ohne HC Strache oder eine Ausgabe der Tages“zeitung“ „Österreich“ ohne SPÖ Inserat. Einfach unvorstellbar. Brot stellt in diesem Land die Grundlage für so ziemlich jedes Essen dar. Ordert man Kebap, man erhält ihn auf Brot, ordert man Tavuk (Huhn) – Brot, als Vorspeise – Brot, Als Beilage – Brot, es fehlt gerade noch, dass Bier mit Brot aufgetunkt wird, gut vom Geschmackserlebnis eines Efes ausgehend bleibt eh wenig Spielraum nach unten, aber das ist ein anderes, bereits oft genug bemühtes Thema.

Man würde meinen in einem Land, in dem der Genuss des gebackenen Mehlgemisches einen derart zentralen Lebensinhalt darstellt, würde ein entsprechendes Verständnis für dessen Manufaktur vorhanden sein – weit gefehlt. Man stelle sich einen Kubikmeter Luft vor in dem ein Esslöffel Mehl zerstäubt wird – in etwa so kann man sich das durchschnittliche türkische Ekmek imaginieren. Nicht nur die geschmacklichen Defizite sondern auch die Konsistenz, welche bereits den Schneidvorgang zu einer Herausforderung werden lassen, trüben den Ekmekgenuss in Ankara in hohem Ausmaß. Es scheint als würde die Türkei das Brot auf dessen wohl wesentlichste Funktion reduzieren: Nämlich zu verhindern, dass man die Frühstücksnutella morgens direkt auf den Esstisch schmiert und anschließend seine Finger kaut. Ja diese Funktion kann das türkische Ekmek zumindest mit Abstrichen erfüllen, das Nutella findet seinen Weg in den Verdauungstrakt. Damit sind die positiven Seiten des osmanischen Brots aber auch schon erschöpfend aufgezählt.

Auch der Wechsel zu Vollkornbrot führt hier meistens nicht zum gewünschten Erfolg. Das Vollkorn in dessen Namen besteht meisten darin, dass ein paar Körner liebevoll und in mühsamer Kleinstarbeit einzeln von Hand auf die Oberfläche des Brotes geklebt werden und der Preis anschließend um 200% erhöht wird. Am Inhalt und Geschmack ändert das überraschenderweise wenig. Frei nach dem indischen Sprichwort „man kann einer Ziege ein Sakko anziehen, aber Ziege bleibt Ziege“ (mündlich aus Big Bang Theory überliefert, den typischen indischen Raj Akzent möge man sich dazudenken) machen drei Haferflocken an der Oberfläche und eine um 1-2 Graustufen dünklere Farbe eben noch kein Vollkornbrot aus. Entweder die Webseite chefkoch.de, auf der man gewiss Rezepte gegen diese geschmackliche Staublawine finden würde, ist in der Türkei wie so viele andere Portale (bwin, etc…) ebenfalls gesperrt, oder der gemeine Osmane isst sein Brot gerne geschmacksneutral und sauerstoffreich. Die Antwort auf diese Frage ist zum Redaktionsende noch nicht beantwortet.

Bleiben also 2 Möglichkeiten:

a) Selber Backen

Diese wieder schnell verworfene Idee scheitert bereits vor dem Versuch. Zum einen wird man in einer türkischen Küche vergeblich einen Backofen suchen und zum anderen beschränkt sich die Mehlauswahl (überraschenderweise) auf Weizenmehl in der 0,5, 1 oder 2 Kilopackung.

b) Und es gibt es doch! (frei nach Galileo Galilei). Zwischen unzähligen Einheiten verpackter Luft scheinen plötzlich die magischen 4 Buchstaben auf, nach denen der umherirrende fleißige Vollzeitstudent schon seit Tagen sucht:

W     A    S     A

Knäckebrotscheiben, feinstsäuberlich aneinandergereiht und verpackt. Naja, immer noch kein Vollkornbrot aber zur Not wird man halt Schwede. Immerhin mal eine Alternative zum Weizen-Luft Gemisch. Cok güzel würde der Türke jetzt sagen (und ich sage es auch, denn das ist immerhin eines der 4 türkischen Wörter die ich mittlerweile beherrsche, ja ich weiß, eher söyle böyle). Über den Preis, der auf 100 Gramm berechnet, das gemeine türkische Ekmek wohl um das 5-10 fache übertrifft, wird dezent hinweggesehen. Import kostet halt, und was tut man nicht alles für schwedische Qualität. Glücklich zieht der fleißige und stehts lernwillige Student von Dannen. Vor lauter Übermut endlich ein Brot, in dessen Zutatenliste das Wort Roggen nicht nur bloße Illusion ist, gefunden zu haben hätte er fast vergessen, dass der ausartende Genuss von Knäckebrot in Bezug auf dessen Konsistenz und Feuchtigkeitsgrad auch eher ein trockenes Erlebnis darstellt, aber was wären die großen Erfolge bekannterweise ohne die kleinen.

In diesem Sinne: afiyet olsun!

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