Türkisch Yok

Ohropax? In Ears? Ear-plugs? Schon lange hatte ich das Bedürfnis Activity zu spielen, dass das jedoch ausgerechnet inmitten des Carrefour Marktes im nahegelegenen Einkaufszentrum der Fall sein wird, damit hatte ich nicht gerechnet. Wir befinden uns in der Kategorie „Begriffe erklären“. Die Schwierigkeit dabei, nicht nur der gesuchte Begriff muss bei der Beschreibung vermieden werden,  nein auch die Sprache des Gegenübers wird bei der Erklärung geschickt ausgespart. Mein Mitspieler: Die freundliche Verkäuferin im Carrefour Markt im Einkaufszentrum (nein, ich bin nicht nach Frankreich geflohen und habe da um Asyl angesucht, Globalisierung sei Dank kann ich meinen täglichen Bedarf an Ayran (milchartiges Nationalgetränk, salzig aber schmackhaft) auch in einer französischen Supermarktkette stillen. Der Grund für meinen Besuch in diesem Großmarkt sind eigentlich nicht die silikonhaltigen Ohrstöpsel. Vielmehr ist dieser Supermarkt der einzige Laden im Umkreis einer Flugstunde, in dem Brot erhältlich ist, das nicht bei der ersten Berührung reflexartig einen gasförmigen Zustand annimmt und lediglich ein paar Krümel zurückbleiben. Vollkornbrot bleibt trotzdem ein frommer Wunsch, aber man wird ja bescheiden. Aber wenn ich schon einmal da bin kann ich ja gleich den verzweifelten Versuch unternehmen dem penetranten Zockverhalten meiner Mitbewohner Einhalt zu gebieten und versuchen ein paar geräuschabsorbierende Ohropax zu erstehen. Netter Versuch.

Als ich unerlaubterweise anstatt verbalen Erklärungsversuchen auf die Kategorie Pantomime umgestellt habe, minutenlang mit meinem Finger im Ohr die Aufmerksamkeit sämtlicher Kunden auf mich gezogen habe und mindestens 4 mal das Angebot von Wattestäbchen dankend abgelehnt habe resiginiere ich. Plötzlich verschwindet die Verkäuferin und deutet mir doch zu warten. Ja! Endlich! Es gibt englischsprachige Verkäufer, welche nun gerufen werden! Nice Try, Nice Try.

Statt mit einem Verkäufer kommt die nette Angestellte nun mit ihrem Smartphone wieder und tippt hektisch darauf herum. Plötzlich finde ich mich mit einem nagelneuen Galaxy S5 in der Hand wieder und telefoniere mit einer unbekannten Frau (nein ich stalke nicht). Diese spricht zunächst auf Deutsch  mit mir, anschließend versuche ich auf Englisch zu umschreiben, was ich suche. Trotz dem überraschend gutem Englisch  meines Gesprächspartners höre ich immer nur „i can’t understand you“. Ja so ist das halt mit mir und den Frauen.

Entnervt will ich gerade die Flinte ins sprichwörtliche Korn werfen als plötzlich ein Kommilitone des Weges kommt und die Situation offensichtlich ähnlich lustig findet wie ich. Mein Studienkollege, seineszeichens auch Erasmus Student, besitzt dank seines immensen Ehrgeizes schon etwas bessere Türkischkenntnisse als ich und startet einen letzten ehrenwerten Versuch in der Landessprache, vergeblich. Viel mehr als für einen außenstehenden sicher bühnenreife Kabarettnummer schaut dabei nicht heraus. Ich danke trotzdem für die großartige Hilfe. Ich bedanke mich (auf Türkisch natürlich, dafür reichen meine Kenntnisse gerade noch) und verlasse mit meinem Ayran glücklich aber ohropaxfrei das Einkaufszentrum.

Kommunikation ist schwierig in diesem wunderbaren Land. Es scheint irgendwie niemand wirklich das Bedürfnis zu verspüren die Weltsprache Englisch zu erlernen.

„I don’t care what it means in English, stop thinking in English!“

So die bemerkenswerten Worte unserer Türkischprofessorin als wir verzweifelt nach Übersetzungen der Hieroglyphen auf der Tafel fragen. Stimmt, eigentlich schon ein unverschämtes Verlangen, ich beginne hiermit auf Türkisch zu denken:

***** merhaba **** ***** ******* tamam ********* evet *********
***** **schööle böööle******** tamam **** ***   bira ****** ****** cay ** *********

Ach ja, stimmt, Türkisch, das will ich ja gerade lernen, ja vielleicht bekomm ich ja eine Spontanerleuchtung und die Bedeutungen der Worte fliegen mir im Schlaf zu. Ich könnte es ja mal mit einem Fremdsprachenerlerntanz versuchen – Nein, Gott sei Dank gibt es PONS.

Meine Ohropax habe ich übrigens bekommen, in der Apotheke spielen sie besser Activity. Vielleicht brauche ich sie ja gleich in der nächsten Vorlesung, damit mich der unverständliche in englischartiger Sprache gehaltene Vortrag des Professors der wohlgemerkt englischsprachigen Universität nicht vom Facebook-Surfen und Spiegel-Online Lesen abhält.

Güle Güle

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